Archäologische Wanderung A6

Wanderroute: Latsch - Kastelbell - Schloss Juval - Katharinaberg

Höhenprofil Archäologischer Wanderweg A6 Ötztal - Schnalstal - Südtirol © Kulturverein Schnals
Höhenprofil Archäologischer Wanderweg A6 Ötztal - Schnalstal - Südtirol © Kulturverein Schnals
In Latsch (639 m) haben sich trotz allem noch viele Spuren einer reichen geschichtsträchtigen Vergangenheit erhalten. Hier stehen noch mehrere Gebäude von großem künstlerischem und architektonischem Wert, und schon allein der Besuch der Kirchen mit ihren zahlreichen wertvollen Details vermag jeden Liebhaber schöner Dinge zufrieden zu stellen. Auf keinen Fall versäumen sollten wir aber einen Abstecher in das kleine Museum, sei es auch nur, um den Menhir zu besichtigen (siehe Wissenswertes A6), der 1992 gefunden worden ist, ein Jahr nach der Entdeckung des Mannes aus dem Eis, der vermutlich gleich alt ist: etwa 5300 Jahre! Dieses steinerne Zeugnis der Vergangenheit ist zufällig bei Restaurierungsarbeiten im uralten Kirchlein Unsere Liebe Frau auf dem Bichl entdeckt worden; darauf sind mehrere Gegenstände eingemeißelt, wie sie der Mann aus dem Eis bei sich hatte; vielleicht waren die Ritzzeichnungen auf dieser Steinplatte sogar seine Abbildung.
Die "Untere Grübelplatte" ein geheimnisvoller Schalenstein mit Kreuze oberhalb von Latsch.
Die "Untere Grübelplatte" ein geheimnisvoller Schalenstein mit Kreuze oberhalb von Latsch.
Nach dieser Besichtigung wandern wir an der Talstation der Seilbahn vorbei, überqueren die Staatsstraße und steigen ein kurzes Stück hinauf zum Latschanderwaal, einem großen, im vergangenen Jahrhundert errichteten Bewässerungskanal, wohl das letzte große Beispiel für Bauten dieser Art im Vinschgau (siehe Wissenswertes A4). Dem Waal folgen wir in östlicher Richtung bis zur Weggabelung, an der die Markierung Nr. 8 links aufwärts abzweigt. Schon nach einer kurzen Wegstrecke fällt rechts unterhalb des Steiges eine große Steinplatte auf (Stele), ein Schalenstein, bedeckt mit eben schalenförmigen Vertiefungen und Kreuzen (siehe Wissenswertes A6). Der Steig führt noch ein Stück aufwärts, dann steigen wir uns rechts haltend etwas ab zur asphaltierten Verbindungsstraße zwischen Kastelbell und Sankt Martin am Kofel. Gerade an der Innenseite der Kehre findet sich ein weiterer Schalenstein.
Dieser Straße folgen wir nun einige hundert Meter abwärts, bis uns eine Hinweistafel nach rechts unten auf einen alten Saumpfad weist. Auf diesem gelangen wir zunächst zu einigen schon von weitem sichtbaren Pappeln, kommen an einem Wassersammelbecken vorbei, halten uns rechts und erreichen schließlich ein geheimnisumwittertes Megalithdenkmal (Stele). "Klumperplatte" wird es von den Bewohnern der Gegend genannt. Auf der großen waagrechten Steinplatte mit zahlreich eingekerbten Schalen und Ritzzeichnungen liegt ein weiterer Stein, auf den man hinauf steigen kann; wenn man nun geschickt balanciert, setzt man diesen zweiten Stein so in Bewegung, daß er auf die untere, große Steinplatte schlägt, wodurch ein eigenartiges, dumpfes Dröhnen entsteht (eben "klumpern" im Dialekt)! Von hier führt uns der Steig weiter abwärts, bis wir in einem Weinberg wieder auf den Latschanderwaal treffen, an dem unsere heutige Wanderung ihren Ausgang genommen hat. Wir überqueren nun den Waal und gelangen so zum Dorfplatz in Kastelbell.
Von dort aus nehmen wir die Wegmarkierung Nr. 3 oder A6. Nach einen kurzen Anstieg gelangen wir wieder auf den Waal den wir dann bis Schloss Juval folgen. Nach kurzer Zeit sind schon bald die Ruinen der Burg Hochgalsaun zu erkennen, die 1294 erstmals urkundlich aufscheint und 1418 endgültig zerstört worden ist. 1943 wurden hier Keramikscherben entdeckt, ein Beleg für menschliche Siedlungstätigkeit bereits in frühgeschichtlicher Zeit. Wir durchqueren eine enge Schlucht, unterhalb der ein kleines Gebäude auffällt, das bei Wiesenfesten genutzt wird: die ehemalige Mühle des Hofes Pint. Nun geht es ein Stück abwärts in einen Kastanienhain, wo wir auf einen weiteren Waal treffen, der aber leider kein Wasser mehr führt. An der folgenden Weggabelung halten wir uns an den trockenen Waal und sind schließlich oberhalb von Tschars: wenn die Zeit des "Wasserns" begonnen hat, führt der Waal hier noch Wasser aus dem Schnalstal, dem Ziel unserer heutigen Wanderung. Im Wechsel von kühlen, schattigen und sehr sonnigen Wegabschnitten gelangen wir zum Sonnenhof, der Einkehr und Erfrischung bietet. Von hier führt ein uralter Pflasterweg hinauf nach Schoß Juval, die Burg in Besitz von Reinhold Messner, die zu bestimmten Zeiten im Jahr besichtigt werden kann. Unser Weg führt allerdings weiter den Waal entlang und schon nach kurzer Zeit gelangen wir zur sogenannten Waalerhütte. Hier findet saisonal der Waaler Unterkunft, jener Mann also, der mit der Beaufsichtigung und Instandhaltung des Waals beauftragt ist. Wenn der Waal Wasser führt, hört man hier die sogenannte Waalschelle erklingen, ein regelmäßiges Hämmern zum Zeichen dafür, daß alles seine Ordnung hat.
Rekonstruktion einer prähistorischen Sichel. Teil der Silexschneide wurde in Katharinaberg gefunden.Hier, nahe dem Tunnel und unterhalb des Burgfelsens von Juval, wurden zahlreiche Funde getätigt (Stele), welche die ununterbrochene Siedlungstätigkeit des Menschen vom Neolithikum bis in die Bronzezeit belegen. Einkehr und Verpflegung bietet auch der ebenfalls in Besitz von Reinhold Messner stehende Hof Oberortl, der biologisch bewirtschaftet wird. An dieser Stelle müssen wir uns auch entscheiden, ob wir die rund 500 Meter über die asphaltierte Straße absteigen wollen - an drei großen Schalensteinen (Stele), und wieder zum Oberortl zurück-, oder ob wir unseren Marsch entlang des Waals fast bis zu dessen Beginn in der Nähe des Gasthofes Alt Rateis (844 m) fortsetzen wollen.
Ab Alt Rateis geht es etwa 1,5 km die Straße entlang, dann steigen wir gegenüber Neu Rateis auf Weg Nr. 32 hinauf zu unserem heutigen Tagesziel Katharinaberg (1245 m), dessen Kirchturm sich bereits hoch über uns gen Himmel reckt.

Wissenswertes: Stelen und Schalensteine

Der Latscher Menhir aus dem 3. Jahrtausend v. Ch., gefunden 1992 in der "Bichlkirch".
Der Latscher Menhir aus dem 3. Jahrtausend v. Ch., gefunden 1992 in der "Bichlkirch".
Während die Wissenschaft von der Mehrzahl der archäologischen Funde recht genau imstande ist, Alter und Zweckbestimmung anzugeben, sind die Antworten zu Stelen oder Menhiren und Schalensteinen doch recht ungewiß. Die Figurenmenhire oder Stelenstatuen sind mehr oder weniger große, von Menschen bearbeitete Felsblöcke, auf denen Schmuckstücke, Waffen, Gehänge und weitere geheimnisvolle Symbole eingeritzt sind. Die Steine haben häufig anthropomorphe Formen und sind in ganz Europa gefunden worden; wir wollen uns aber auf den Alpenraum beschränken und das Aostatal, das Valcamonica, das Veltlin, Sion (Sitten) im Wallis und eben Südtirol nennen. In unserem Land sind elf dieser Steine gefunden worden, sechs davon allein im Vinschgau.
Diese Steine werden als aus der letzten Periode des Neolithikums stammend datiert, aus jener Zeit, die Äneolithikum genannt wird. Diese Bezeichnung setzt sich zusammen aus aeneus = aus Bronze und lithikos = aus Stein, eine Zeit also, in welcher der Mensch vom Gebrauch von Steinwerkzeugen zur Verwendung der Metalle überging: zur Verwendung von solchen Gegenständen, die wegen ihres Wertes und der geringen Verbreitung eben auf den Menhiren dargestellt wurden. Diese Figurenmenhire wurden an besonderen Orten aufgestellt, wir kennen aber keine Begründung dafür; vielleicht waren sie bemalt und kreisförmig angeordnet. Ausgeschlossen zu sein scheint, daß sie Abbildungen von Gottheiten waren, viel wahrscheinlicher ist, daß es Darstellungen von Menschen mit großem Charisma, vielleicht von Anführern waren: eine Art Heldendenkmäler sozusagen, wie sie heute noch auf manchem unserer Plätze zu finden sind. Ganz plötzlich aber ist diese Kultur weggefegt worden, die Menhire wurden umgeworfen, zerstört und verschwanden. Bezüglich der Schalensteine ist unser Wissen noch weniger gesichert, obwohl es im gesamten Alpenraum tausende Beispiele dafür gibt. Auch in unserem Land sind hunderte Schalensteine bekannt, mit einer besonderen Häufung im Talkessel von Brixen und im Vinschgau. Eine zeitliche Zuordnung ist praktisch nicht möglich, ganz zu schweigen von ihrer Verwendung, über die es Dutzende Theorien gibt: astronomische Kalender, Totenkult, Wegweiser... Fest steht, daß auch wir auf unseren Wanderungen zahlreichen dieser Schalen begegnen; manche sind nur wenige Zentimeter groß, manche knapp so groß wie ein Schädel, durch Rinnen oder Kreuze untereinander verbunden, einzeln oder in größerer Anzahl zusammen, in Felsen oder in Türschwellen eingemeißelt. Wer weiß, vielleicht gehen auch die Weihwasserschalen unserer Friedhöfe auf die uralten Schalensteine zurück! W
ie auch immer: Schalensteine und Menhire ziehen uns an, schlagen uns in ihren Bann, und vielleicht gelingt es uns eines Tages wirklich, die Geschichten zu verstehen, die uns diese jetzt noch stummen Zeugen der Vergangenheit erzählen könnten.

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