Archäologische Wanderung A4

Wanderroute: Kurzras - Taschljöchl - Talatsch - Kortsch

Höhenprofil Archäologischer Wanderweg A4 Ötztal - Schnalstal - Südtirol © Kulturverein Schnals
Höhenprofil Archäologischer Wanderweg A4 Ötztal - Schnalstal - Südtirol © Kulturverein Schnals
Von Kurzras (2011 m) wandern wir zunächst hinüber zum Wieshof, von wo uns der mit Nr. 4 markierte Steig durch lichten Wald in die Höhe führt. Schon bald gelangen wir zum Lagauntal, in das wir, entlang einem alten Wasserwaal, ein kurzes Stück hinein wandern, und zwar bis zu einer Stele, die auf steinzeitliche Funde verweist. Von hier steigen wir hinunter zum Bach, überqueren ihn auf einem hölzernen Steg und wandern rechts über den Moränenhang wieder hinauf zu einer kleinen Verebnung. Weiter führt der Steig recht steil hinauf zu den Überresten der ehemaligen Heilbronner Hütte (2772 m), die in den dreißiger Jahren abgebrannt ist. Nun folgt der lange Abstieg in den Vinschgau. Vorbei an einigen idyllischen Bergseen, nahe denen ebenfalls steinzeitliche Funde getätigt worden sind (Stele) und vorbei auch an der Kortscher Alm (1987 m), die wir rechts liegen lassen. Auf einem Forstweg mit wenig Gefälle wandern wir bequem unterhalb der Schlanderser Alm vorbei und vorbei auch an einem alten Sägewerk.
Diesen Weg entlang wurden - wenigstens bis zum Jahr 1583 - die Toten aus Kurzras getragen, die in Göflan, einem zu Schlanders gehörenden Dörfchen, beerdigt wurden. Wenn die Menschen im Winter verstarben, wurden sie im kalten Dachboden "zwischengelagert", bis die verschneiten Jöcher wieder begehbar waren. Ähnliche Gebräuche sind auch aus anderen Regionen der Alpen bekannt, und wir brauchen gar nicht weit Ausschau zu halten: von Pfelders, im hinteren Passeiertal, trug man die Toten quer durch die Texelgruppe nach Gratsch, unterhalb von Dorf Tirol am Rand von Meran. Eine bestimmte Stelle entlang dieses Weges, nahe den Spronser Seen in etwa 2300 m Höhe, heißt heute noch "Totenrast", ein bezeichnender Name für einen Ort, an dem wohl längere Rast eingelegt wurde. Hier finden sich auch zahlreiche Schalensteine! (Siehe Wissenswertes A6)
Beim weiteren Abstieg fallen nach Überwindung eines Weidezaunes rechterhand ein Wegkreuz und ein Wasserwaal auf: es ist der Talatsch Waal, einer von etwa einem Dutzend jener "Waal" genannten Bewässerungskanäle, wahre Meisterwerke der Wasserbaukunst, die das Wasser des Schlandraun Baches zu den sonnendurchglühten Höfen des Vinschgaus führten (siehe Wissenswertes A4). Diesem Waal folgen wir - Vorsicht an einigen etwas ausgesetzten Stellen! - und kommen nach kurzer Zeit zum Weiler Talatsch (1454 m).
Spinnwirtel aus der BronzezeitWir steigen ab zu dieser Häusergruppe und folgen den Wegmarkierungen, die uns schon bald nach Neuwies führen (Stele), wo im Jahre 1971 bei der Feldarbeit ein geradezu sensationeller Fund getätigt worden ist: 14 Metallgegenstände aus der Eisenzeit. Von hier geht es nun wieder recht steil bergab, teils auf der Straße, teils auf einem Steig bis zu einer Forststraße, die uns zu einem weiteren Waal führt. Diesem folgen wir ein Stück, biegen dann aber links ab, hinein in den Kiefernwald bis zu einem markanten Felssporn, auf dem die Ruinen einer Kapelle zu St. Georg thronen (1000 m), die gerade restauriert werden. Im Zuge der Grabungen wurden hier zahlreiche Gegenstände gefunden, Gräber und Überreste uralter Siedlungen (Stele). Nun führt der Steig sehr steil hinunter zu einem Weg, der uns recht bequem oberhalb der Ägidius Kirche vorbei zum sogenannten Schatzknott führt (Knott heißt Felsen), in den einige Schalen gemeißelt sind.
Rekonstruktion des verschwundenen Menhirs © Kulturverein SchnalsNach Durchquerung eines Kastanienhaines, in dessen Schatten sich einige Pferche befinden, in denen die Schafe nach dem Almabtrieb gesammelt wurden, gelangen wir nach Kortsch, das sowohl wegen seiner geschützten, sonnigen Lage als auch wegen der besonderen Sorgfalt in der Erhaltung der antiken Bausubstanz zu den hübschesten Dörfern des Vinschgaus zählt. Dieses Kortsch ist ein sehr alter Siedlungsplatz. Bei Grabungen unterhalb der Laurentiuskapelle sind verschiedene, bis in die Bronzezeit zurückreichende Siedlungsspuren gefunden worden. 1943 wurde sogar ein Menhir zu Tage gefördert, der dann allerdings verschwunden ist.

Wissenswertes: Die Waale, uralte Bewässerungssysteme

Ein Waaler hat sich im Fels verewigt © Kulturverein SchnalsIm Vinschgau beträgt das jährliche Niederschlagsmittel rund 500 mm, was in etwa jenem von Sizilien entspricht. Aber hier erleben wir ein besonderes Phänomen: die hohen Gipfel, die das Tal im Norden und Süden umrahmen, fangen regelrecht die Störungen ein, die ihr kostbares Naß vorwiegend als Schnee abgeben, der sich wiederum in Eis verwandelt. Und eben diese Gletscher bilden die großen Wasserreserven des Tales!
Das wichtigste Problem war es seit jeher, das für die Landwirtschaft unerläßliche Wasser zu sammeln und zu den Höfen zu leiten. Seit Jahrhunderten wurde im Vinschgau daher ein wahres Netz von Bewässerungskanälen errichtet, die Waale genannt werden. Diese Waale, von denen einige über 10 km lang sind, durchqueren - oder besser durchquerten - jeden bewirtschafteten Winkel dieses überaus sonnigen Tales; geradezu wie die Venen, Arterien und Kapillaren eines menschlichen Körpers. Im Lauf der Jahrhunderte haben diese Waale, obwohl bei ihrem Bau nur ganz einfache Gerätschaften verwendet wurden, eine beachtliche Ausdehnung erreicht; allein die Länge der Hauptwaale wird auf über 600 km geschätzt. Diese Ausdehnung hat natürlich auch eine Reihe von Problemen mit sich gebracht. Neben den rein technischen bei Anlage und Erhaltung der Waale, die häufig durch steiles, von Steinschlag und Muren betroffenes Gebiet führten, stellten sich rechtliche Probleme um die gerechte Verteilung des Wassers. Ganz genaue Regelungen wurden aufgeschrieben, die ältesten reichen ins 13. Jahrhundert zurück, beziehen sich ihrerseits aber auf noch ältere Rechte. Festgelegt wurden Wasserrechte bei Tag und bei Nacht, die Einteilung nach Stunden, die Wassermengen... und natürlich mußte jemand beauftragt werden, der die Waale instand hielt und für die Wasserzuteilung sorgte: die Waaler. Diese Waaler sind heute fast vollständig verschwunden, obwohl sie einst wegen der besonderen Anforderungen ihres Amtes in hohem Ansehen standen. Das Amt wurde von der bäuerlichen Gemeinschaft, die von einem bestimmten Waal versorgt wurde, Jahr für Jahr bestätigt oder neu vergeben. Und trotzdem ist die Rede von Wasserdiebstahl, von endlosen Prozessen zwischen Privaten und Gemeinden, die sich über Generationen, ja über Jahrhunderte hinzogen. Allein im Schlandrauntal faßten rund ein Dutzend Waale ihr Wasser und bildeten damit das größte Bewässerungssystem des gesamten Vinschgaus. Heute sind nur mehr wenige Waale in Gebrauch, der Fortschritt ist auch hier eingezogen und hat sie durch rationellere Systeme ersetzt: Kunststoffschläuche, Pumpen, Beregnungsanlagen. Von der ganzen Welt der Waale sind nur einige wenige Spuren erhalten geblieben, einige Waale sind noch in Gebrauch, andere sind in die Landschaft eingebettet wie Erscheinungen aus der Vorzeit: so etwa jener Waal im oberen Penaudtal, dessen Wasserfassung in über 2700 Metern Höhe lag; er führte über ein 2662 m hohes Joch auf die andere Seite der Wasserscheide und dann 2000 Meter hinunter nach Goldrain. Das Wasser fließt heute durch Röhren, die 1983 ihrerseits die im Jahr 1951 verlegten Eternit-Röhren ersetzt haben. Der eigentliche Waal ist verfallen und langsam langsam, wie in einem osmotischen Vorgang, holt ihn sich die Natur zurück.

Um mehr darüber zu wissen: Wege am Wasser, G. Bodini, Tappeinerverlag, Lana 1993

Schnalstal Informationen

Tourismusbüro

Tel. +39 0473 679148
Fax +39 0473 679177
Email

Gletscherbahnen
Tel. +39 0473 662171
Fax +39 0473 662117
Email

Anreise

Erreichen Sie das Schnals- tal bequem und einfach:

This Item uses Adobe Flashplayer.
You can download it using the button below.

Get Adobe Flash player

Multimedia

Schnalstal: Die aktuellsten Videos, umfangreiche Bildergalerien und wichtige Downloads zu Ihrem Urlaub finden Sie hier!

Newsletter

Sie möchten regelmäßig über Neuigkeiten, Ver- anstaltungen und die aktuellen Urlaubspakete aus dem Schnalstal informiert werden?

Social Networks & Hotelbewertungen


Bookmark and Share
www.teamblau.com